Die Wiederbelebung der Falknerei

Greifvögel und Eulen als Partner des Menschen
Die Jagdvögel der Lüfte haben die Menschen schon seit Jahrtausenden fasziniert. Es wird vermutet, dass sie bereits vor über 4000 Jahren in den Steppengebieten Asiens zur Jagd eingesetzt wurden. Das Ehepaar Deckers hat in den 60er Jahren ihre Liebe zu den Greifvögeln gefunden, als ihre Bestände in Deutschland stark geschrumpft waren. Was mit der Pflege von kranken und nicht mehr flugfähigen Greifvögel begann, mündete schließlich in die Zucht von Eulen, als sich plötzlich auch Nachwuchs unter ihren Schützlingen fand. 1973 kam ihr erster Falke hinzu. Inzwischen pflegen und züchten Greifvögel seit über 40 Jahren und sind Mitglied im Orden deutscher Falkoniere.
Der Steinadler gehört mit einer Spannweite von bis zu 2 Metern zu den größten Greifvögeln seiner Art.
Uhus können über 40 Jahre alt werden. In der Dämmerung beginnen sie mit ihrer Jagd.
Bis in die 60er Jahre wurde der "König der Lüfte" systematisch verfolgt und in seinem Bestand auf wenige Dutzend Brutpaare in der Alpenregion dezimiert.
Orden deutscher Falkoniere
Der Orden deutscher Falkoniere wurde 1959 gegründet, nachdem die Jagd mit Greifvögeln durch den regen Gebrauch von Schusswaffen fast gänzlich zum Erliegen gekommen war. Auch die französische Revolution im 18. Jahrhundert leistete hierzu ihren Beitrag, indem sie die Jagd mit Falken als Jagdform des Adels in Verruf brachte. Dabei handelt es sich um eine Jagdform, die eine lebenslange Partnerschaft zwischen dem Falkner und seinem Vogel erfordert und daher nicht nur als ein exklusives Hobby zu betreiben ist. Die höchste Kunst der Falknerei ist es, die Jagd mit Vogel und einem Frettchen oder einem Hund zu betreiben, der das Wild aufstöbert, das sich dann der Vogel greift. Dabei müssen Hund und Vogel sorgsam trainiert und aneinander gewöhnt werden, bis sie sich als Freunde und als Partner bei der Jagd akzeptieren. Hat man dieses Ziel erreicht, gelingt eine sehr effektive und naturnahe Jagd. Auf den Einsatz eines Jagdgewehrs kann dabei verzichtet werden. 2010 wurde die Falknerei von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.
Der Hasenschwund
Greifvögel sind Greiftöter. Sie erlegen ihre Beute wie Hasen, Füchse und Fasane mit ihren scharf zupackenden Krallen. Falken hingegen sind Bisstöter und machen auf Flugwild und Tauben Jagd. Waren die Bestände zahlreicher Greifvögel noch in den 60er Jahren stark gefährdet, haben sie sich inzwischen gut erholt. Die Arbeit von zahlreichen Falknern hat sich gelohnt. Gefahr für den Bestand der Tiere droht nicht mehr durch den Menschen, sondern nunmehr durch einen Schwund, der sich bei ihren Beutetieren bemerkbar macht. Falkner Deckers ist besorgt, da es zunehmend weniger Nutzwild für die Greifvögel zum Jagen gibt: "In Deutschland, Dänemark, Tschechien, oder Niederösterreich - vielerorts tauchen immer weniger Hasen auf. Und keiner weiß wieso." Der Erfolg jahrzehntelanger Arbeit wird nunmehr durch den überregional anzutreffenden Hasenschwund getrübt. Manche Falkner müssen inzwischen viel fahren, um mit ihren Vögeln artgerecht auf die Jagd gehen zu können. Deckers Hoffnung bleibt, dass es Wissenschaftlern gelingt, die Ursachen für diesen Schwund aufzuklären, damit auch hier bald sinnvolle Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Fotos: D. Hübl
