Natur ganz NAH! - Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren

Gefäss/Skulptur - deutsche und internationale Keramik seit 1946 Natur ganz NAH! - Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren

Die Natur aus der Nähe betrachtet in Kunst und Fotografie

Das Kunsthaus Kaufbeuren zeigtseiner Ausstellung "Natur ganz NAH!" vom 22. März bis zum 22. Juni Skulpturen von Maria Rucker im Kontrast mit Fotografien von Karl Blossfeld, Alfred Erhardt und Gary Heery. Dabei werden Details von Pflanzen und Tieren sichtbar, die eine Fülle von ungeahnten Formen und Strukturen erschließen.

Jaguar. Foto: Gary Heery Jaguar. © Gary Heery

Bontjes van Beek, 1965 Iberus gualterianus L © bpk / Alfred Ehrhardt Stiftung

Henry van de Velde - Nietzsche-Archiv Querschnitt durch ein Nautilus Gehäuse 1940/41 © bpk / Alfred Ehrhardt Stiftung

Henry van de Velde - Dessertteller 1903Nigella damascena © Karl Blossfeldt / Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich 2014

Die faszinierenden schwarz weiß Aufnahmen von Karl Blossfeldt zählen zu den Ikonen der deutschen Fotografiegeschichte. Mit der Kamera nah an das Objekt gerückt, ermöglichen sie einen beeindruckenden Blick auf die Einzigartigkeit der Natur und lassen den Betrachter eintauchen in den unendlichen Formenreichtum der Pflanzenwelt.

Mit mehreren tausend Aufnahmen, die zwischen 1899 und 1932 entstanden, erscheint Karl Blossfeldts fotografisches Werk als einmalige "Typologie der Pflanzenform". Ursprünglich nur als didaktisches Hilfsmittel für das Fach "Modellieren nach lebenden Pflanzen" für den Hochschulunterricht gedacht, erfährt es durch die 1928 veröffentlichte Publikation "Urformen der Kunst" weltweit Aufmerksamkeit.

Die hohe Prägnanz der Abbildungen und eine klare, schlichte Darstellung der Bildobjekte stehen ganz im Geiste der Fotografie der "Neuen Sachlichkeit" der 1920er Jahre. Diese Geisteshaltung finden wir auch in den makrosko­pischen Aufnahmen des Fotografen Alfred Ehrhardt wieder, dessen alleinige Fokussierung auf ein Objekt durch die unglaubliche Schärfe der Darstellung besticht. Die Schönheit einer Muschel in Nahaufnahme oder einer Koralle, die man glaubt berühren zu können, zieht die Blicke des Betrachters unweigerlich auf sich. Der Verzicht auf Farbe in den Bildern steigert die einmalige Wirkung der verschiedenen Ober­flächenstrukturen. Ehrhardt, der auch Filmemacher, Maler und Musiker war, zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotopionieren der 1930er und 1940er Jahre.

In der Ausstellung werden sein preisgekrönter Film "Spiel der Spiralen" sowie sein Experimentalfilm "Tanz der Muscheln" gezeigt. Beide Fotografen zeigen oftmals nur wenige Zentimeter messende Objekte, so scheinbar unscheinbar, die sich aber in der Vergrößerung geradezu als ästhetische Wunder mit faszinierendem Bauplan entpuppen.

Zum Staunen bringen den Betrachter die bild­hauerischen Werke der Künstlerin Maria Rucker, die – gleich einer fotografischen Nahaufnahme – Details von Tieren in haptischer Weise aus Marmor oder anderem Gestein herausarbeitet, wie das Gebiss eines Hais, die Pfoten und Nasen verschiedener Tiere oder den Panzer einer Schild­kröte. Fasziniert von Oberflächen mit ihren unterschiedlichen Strukturen, haucht die Künstlerin dem Material eine Lebendigkeit ein, dass der Betrachter die Schönheit und die Beschaffen­heit des Dargestellten förmlich spüren kann. Durch die richtige Wahl des Werkstoffes, der mit seiner spezifischen Farbe und dem Verlauf seiner Adern ebenso einen ganz eigenen Charakter hat, lässt sie Material und Skulptur zu einer erstaunlichen Einheit verschmelzen.

Ihr ungewöhnlicher Blick auf die Tierwelt und die Auswahl ihrer Motive stellen innerhalb der Geschichte der Bild­hauerei eine Besonderheit dar.

Inspiration für ihr Werk fand die Bildhauerin in der Fotoserie "ZOO" des renommierten australischen Fotografen Gary Heery. Erstmals in Europa werden seine atemberaubenden, großformatigen Nahaufnahmen gezeigt und den Skulpturen der Bildhauerin gegenübergestellt. In ganz ungewöhnlichen Ausschnitten, kontrastreich durch Verzicht auf Farbe, stellt er verschiedene Tiere zur Schau: die Nase des Seehundes, die scharfen Krallen eines Bären, das gefährliche Gebiss des Krokodils, die Hautfalten eines Affen, die Schuppenhaut eines Reptils. Alle Künstler eint die Liebe zur Natur und das Bedürfnis deren Eigenart und Charakter dem Betrachter nahe zu bringen.

Natur ganz NAH!

Fotografien von Karl Blossfeldt, Alfred Erhardt und Gary Heery. Skulpturen von Maria Rucker

22.März. 2014 – 29.Juni 2014
Kunsthaus Kaufbeuren
Spitaltor 2
87600 Kaufbeuren

Tel.: +49 (0)8341 / 8655
www.kunsthaus-kaufbeuren.de

Öffnungszeiten: Di - Fr 10 - 17 Uhr,
Do 10 - 20 Uhr. Sa, So, Feiertage 11 - 17 Uhr.
Eintritt: , Schüler 1,50 €.


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